Meine Hunde

aus Marion's Liedergeschichten
Im Wartezimmer einer Praxis sitze ich und warte gespannt. Nicht auf das Ergebnis einer Vorsorgeuntersuchung, nein, nur auf meinen kleinen Hund namens Mona, Kreuzbandriss, Kniegelenk verschoben, wurde alles wohl gerichtet, hoffe ich und erstarre, als plötzlich ein wohl Ehepaar aus dem Behandlungsraum herauskommt. Sie mit Sonnenbrille und dahinter dicken Tränen und er mit einem leblosen Labrador auf dem Arm.

Honey hieß der Blindenhund, den ich auch so erleben musste.

Noch mit feuchten Augen erinnere ich mich an meine ersten Begegnungen mit Hunden.

Auf meinem Schulweg musste ich immer an einem Tor vorbei, hinter dem ein Hund fürchterlich bellte. Ich erschrak immer, obwohl ich doch wusste, dass er wieder bellen würde und mir nichts  tun konnte. Es gab aber leider keinen anderen Weg. Daher kam wohl meine Angst vor Hunden.

Ich kaufte als Kind! in einem Tabakladen für meine Mutter ein Päckchen Assu Zigaretten. In diesem Laden gab es eine hölzerne Klappe für die Verkäufer, um beim Hochklappen in den vorderen Raum des Ladens zu kommen. Die Klappe war zu, ich wartete und knuddelte mit meinen Fingern an der Klappe herum, dachte ich. Dabei knubbelte ich an einer Hundeschnauze herum. Den Hund konnte ich ja nicht sehen! Doch dann ging die Klappe hoch und ich war zutiefst erschrocken, aber irgendwie auch zu erstaunt, um noch Angst zu haben vor diesem riesigen Hund, der sich dahinter befand.

Weiß nicht, wie dieser Hund hieß, aber der nächste Hund, der in mein achtjähriges Leben trat, hieß Harras und das war genauso ein Schock. Ich kam aus einem Ferienaufenthalt nach Hause, hatte eine lange Zugfahrt hinter mir, schlief noch, wachte auf und vor mir saß ein riesiger Schäferhund, direkt vor meinem Bett! Schwarz war er wie die Nacht, aus der ich erwachte.

Meine Mutter erklärte mir, das sei jetzt unser Hund und außerdem hätten wir jetzt eine Hühnerfarm! Harras war ein braver Hund, er riss die Hühner nur dann, wenn meine Mutter einen ganzen Tag weg war, was zum Glück nicht so oft vorkam, so konnten wir als Kinder Eier verkaufen gehen, vor allem in die sogenannten Siedlungshäusern. Die kleinen Groschen, die man mir zusteckte, reichten immerhin schon für ein kleines Eis in der neu eröffneten italienischen Eisdiele. Dann kam irgendwann ein etwas kleinerer Hütehund namens Blanka dazu. Und Blanka bekam Junge!

Ich sah zum ersten Mal in meinem Leben, wie Leben aus Leben schlüpft. Es war unglaublich. Sie brachte die Jungen in unserer Küche zur Welt. Nie werde ich vergessen, wie die Jungen aus hier herausglitten, wie sie die Haut abschleckte unter der die Welpen noch steckten, sie ableckte und an ihre Zitzen schob. Wir saßen alle schweigend um sie herum, still und wartend auf das nächste Junge. Es wurden insgesamt sogar sechs wohlgeratene Welpen.

Natürlich konnte meine Mutter nicht alle Welpen behalten. Als sie alt genug waren, damals war das nach mindestens drei Monaten, wurden sie weitergegeben. Aber eines wurde behalten. Das kleinste, das immer noch so lange in die Küche gepinkelt hatte. Deswegen nannten wir sie Pinka.

Danach, Jahre später, kamen Sherry und Brandy. Auch ein Geschwisterpaar. Sherry machte sich einen großen Spaß daraus, Brandy in den nahe vorbeilaufenden Bach zu schubsen. Und Brandy ist nicht immer nur darauf hineingefallen, sondern immer auch hinein. Glaube fast, die beiden hatten wohl auf ihre Art ihren Spaß an dem Spiel.

Meine Mutter hatte mittlerweile auf weiße Mäusezucht umgesattelt. Die Hühnerställe waren leer. Doch wir hatten noch Bella!

Eines Tages kam ein Mann in unseren Hof, wusste, dass meine Mutter eine Hündin hatte, die gerade geworfen hatte. Er bat sie, den Hund der Hündin unterzuschieben, sozusagen als Amme. Und es hatte geklappt! Als der Welpe alt genug war, um seinen Hof zu bewachen, auch wieder so nach 3 Monaten, nahm er die Hündin wieder mit. Aber, mit dem Kümmern um den Hof und er sich um sie war es wohl nicht so weit her. Nach dem Hörensagen blieb der Hund sich ziemlich selbst überlassen und stand eines Tages plötzlich wieder in unserem Hof. Setzte sich vor unsere Tür und ging nicht mehr weg, nachdem sie schon monatelang verwahrlost durch die Stadt gewandert war. Sie saß immer wieder bei uns im Hof, kam jeden Tag. Na klar, blieb sie dann bei uns. Wir nannten sie Bessi (auf ein besseres Leben).

Mittlerweile war ich auch schon ein paar Jährchen älter, ging viel mit ihr spazieren, Hühnerfarm, Mäusezucht waren längst Vergangenheit, ich in der Lehre als Anwaltsgehilfin. Aber die vielen Spaziergänge, die ich mit diesem Hund durch die Wälder und Felder gemacht habe, sind mir immer noch im Gedächtnis. Damals konnte man noch in klaren Sternennächten die ersten Satelliten am Himmel sehen. Sie wanderten wie Sterne, langsam und doch schnell waren sie wieder weg.

So schnell verging auch die Zeit mit Bessi, meine Mutter heiratete plötzlich und genauso plötzlich war auch kein Platz mehr für die mittlerweile zehnjährige Hündin in ihrem Leben. Ich lebte schon außer Haus, mein Bruder in Frankreich.Damals war ich nicht in der Tierarztpraxis! Erfuhr es erst später, als es zu spät war! Weiß nur noch, wie mein Bruder getobt hatte, „warum hast Du nichts gesagt“?!!

Ja, leider sind meine Erfahrungen mit Hunden letztlich doch immer mit Trauer verbunden.

Mein erster Hund in Frankfurt am Main kam auch ziemlich überraschend in mein Leben. Mein damaliger Freund verdiente ganz gut und ich nahm mir eine kleine Verschnaufpause. Mein damaliger hatte vor seiner Scheidung einen Besset. Er musste sich von ihm trennen, ging nicht anders. Er wollte aber wieder einen Hund. Wir besuchten einen Bekannten von ihm und gingen heim mit einem Hund, Mischling aus Bernhardiner und Schäferhund.

Ich nannte sie Toxi. Damals wusste ich noch nicht, dass der erste menschliche Kontakt von einem Hund als Alphatier gewertet wird. Ich war in dem dreier Rudel die Nummer drei. Aber ich hatte die Betreuung, Fütterung, Freizeitgestaltung zu erfüllen. Damals gab es im Grüneburgpark noch einen eingezäumten Hundeauslauf. Da ging aber die Post ab! Aber hallo! Die Hunde haben miteinander gespielt, getobt und es gab nie Zoff!

Zoff aber gab es in der Ehe. Der Hund wanderte aus nach Portugal.

Ich blieb in Frankfurt, traf dort einen armen Hund namens Karsten mit Wohnsitz in Seckbach. Wir besuchten einen Freund von ihm, der wohl einen Hund hatte. Ich wunderte mich nur, was da aus einem Schrank so quickte, öffnete ihn, heraus sprang ein junges Hündchen, ganz verängstigt, leckte mir alles ab, was es erwischen konnte. Ich nahm sie mit und nannte sie Lady. Unser Auslaufgebiet war der Lerchesberg, sie war so ein toller Mischling, halb von hier was, halb von da was. Sie sah aus, wie ein kleiner Schäferhund. Erinnerte mich doch an was…..

Aber, wie man aufgrund der Tatsache, wie ich Lady gefunden hatte, schließen kann, musste ich mich schweren Herzens von ihr trennen. Es hat mir fast das Herz gebrochen, als mein damaliger Freund mich noch einmal besuchen wollte, ich aber nicht konnte, und sah Lady von weitem, wie sie mich ungläubig ansah. Den Blick spüre ich heute noch in mir und weine. Aber es ist ihr gut ergangen, eine Familie mit Garten hat sie aufgenommen und sie hatte wohl noch eine schöne Zeit.

Damals nahm ich mir vor, nie wieder eine Verantwortung über einen Hund zu übernehmen, der ich nicht gerecht werden kann.

Aber es kam noch anders. Ich verliebte mich in einen Mann. Blind. Mit Blindenhund. Sie hieß Honey.

Labrador, gut ausgebildet, absolut zuverlässig beim Führen. Sie führte mich sogar mit Leine zu den ihr bekannten Orten, Supermarkt, Bäcker, sogar Kneipe. Ja, damals gab es noch ein nettes Lokal im Lettigkautweg.

Ich aber war nicht nur die „Freundin“, nein, sogar wurde ich Arbeitskollegin in seiner Massagepraxis. Rezeption, Buchhaltung, ein mitunter 12-Stundenag. Honey war dann bei den Eltern im gleichen Haus. Und sie wurde gefüttert. Es stand immer etwas zu Essen bereit, die Eltern hatten auch einen Hund, sie kannten es nicht anders, aber Honey war sterilisiert, sie fraß sich dick und fett.

Das Ergebnis war dann Hüftdisplaci Manchmal sind auch Blinde noch blinder. Ich erfuhr es erst am Abend davor. Ging mit ihr nochmal raus und sie rannte plötzlich wie in ihren jüngsten Jahren als ahnte sie, dass das ihr letzter Run gewesen ist.

Und nun sitze ich hier in der Tierarztpraxis und warte auf meine Mona während der Labrador des Ehepaares herausgetragen wird, wünschte mir, dass ich niemals einem Tier Leid zufügen müsste und es verhindern könnte, wenn ich manchmal nur wüsste, wie……………………………

© 2014 Marion Daufenbach

 

 

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